IVF im natürlichen Zyklus

14.05.2020
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Das erste „Reagenzglas“ -Kind wurde vor 42 Jahren in Großbritannien bei einem Paar geboren, das 10 Jahre lang erfolglos versucht hat, Eltern zu werden. Sie waren die ersten, die zu dieser Zeit die experimentelle Methode ausprobiert haben, was ein Durchbruch in der Medizin war. Nur 32 Jahre nach der Geburt des ersten durch IVF gezeugten Mädchens haben die Ärzte den Nobelpreis erhalten. Bis heute mehr als 8 Millionen Menschen wurdem durch die einzigartige Methode geboren.

IVF im natürlichen Zyklus- Definition

IVF im natürlichen Zyklus ist eine schonendste Methode zur künstlichen Befruchtung. Für das Erhalten einer Eizelle werden hormonelle Stimulatoren der Eierstöcke nicht verwendet. Die Eizelle wird während des normalen Menstruationszyklus gewonnen. Daher beschränkt sich die Intervention von Ärzten darauf, den Gameten zu erhalten und außerhalb des weiblichen Körpers zu befruchten.

Das natürliche Protokoll vermeidet:

  • ovarielles Hyperstimulationssyndrom(OHSS);
  • Mehrlingsschwangerschaft;
  • emotionale und körperliche Erschöpfung;
  • die Kosten sind viel niedriger.

IVF im natürlichen Zyklus ist die physiologische und natürlichste Methode ohne den Einfluss einer zusätzlichen Hormonstimulation und der natürlichen Produktion der Eizelle und des Eisprungs. Darüber hinaus ist der Körper der Frau keinem hormonellen Stress ausgesetzt.

Ein zusätzlicher Vorteil ist die Möglichkeit, mehrere Protokolle hintereinander durchzuführen. Das Fehlen des Einflusses aggressiver Medikamente ermöglicht es dem Körper der werdenden Mutter, ohne Stress in einem für die Bildung des Embryos günstigen Modus zu arbeiten.

Ein geringerer Prozentsatz an Nebenwirkungen aufgrund der Einführung großer Hormondosen ist ein unbestreitbarer Vorteil des „natürlichen Protokolls“. Durch IVF im natürlichen Zyklus besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, qualitativ hochwertiges Biomaterial zu erhalten, das vom Körper unter den Bedingungen natürlicher physiologischer Prozesse unabhängig ausgewählt wird.

Wie läuft das Verfahren ab?

Etappen der IVF im natürlichen Zyklus:

  1. Untersuchung der zukünftigen Eltern;
  2. Ultraschall und hormonelle Überwachung des Follikelwachstums;
  3. hCG-Injektion 1,5 Tage vor dem Eisprung;
  4. Entanahme einer reifen weiblichen Gamete;
  5. Erhalten des Spermas und dessen Vorbereitung;
  6. In-vitro-Befruchtung der Eizelle mit dem Sperma;
  7. Prozess der Kultivierung des Embryos innerhalb von 3-5 Tagen;
  8. Übertragung des Embryos in die Gebärmutter der werdenden Mutter;
  9. Kontrolle der Ergebnisse der Implantation in 2 Wochen.

Die Verordnung von Progesteron als Erhaltungstherapie ist möglich. Die Entnahme der Eizelle ist ohne Betäubung möglich. Unmittelbar nach dem Eingriff kann die Frau zum normalen Leben zurückkehren, da keine zystische Ovarialvergrößerung durch hormonelle Stimulation verursacht wird. IVF im natürlichen Zyklus ist emotional und körperlich weniger traumatisch.

Zu den Nachteilen des Verfahrens gehören:

  • niedrige Schwangerschaftsrate (bis zu 20%);
  • nur 1 Eizelle kann  entnommen werden;
  • erfolglose Befruchtung der weiblichen Gamete;
  • kultivierter Embryo kann von schlechter Qualität sein.

Bei der künstlichen Befruchtung im natürlichen Zyklus verwenden Reproduktologen häufig ICSI-Methode. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Empfängnis, wenn durch das Spermiogramm eine geringe Spermienaktivität festgestellt wird. Die Methode besteht darin, die aktivste Spermazelle manuell auszuwählen und sie mit einer Nadel in die Eizelle einzuführen.

Für wen eignet sich diese Art der Behandlung?

Das Verfahren wird bei Frauen mit natürlichem Eisprung und einem Zyklus von 28 bis 35 Tagen durchgeführt. Die günstigste Altersspanne für künstliche Befruchtung im natürlichen Zyklus für Frauen ist 18-35 Jahre.

Es gibt bestimmte Indikationen für eine In-vitro-Fertilisation ohne hormonelle Stimulation:

  • medizinische Kontraindikationen für die Verwendung von Arzneimittelstimulation (überstandener Krebs, Nieren-, Leber, Herz-, Blutgefäßerkrankungen);
  • geringe Reaktion der weiblichen Genitaldrüsen auf Medikamente, die die Produktion von Eizellen beeinflussen;
  • Altersbeschränkungen;
  • bei einer deutlichen Abnahme der Follikelreserve.

Natürliche Art der Behandlung eignet sich für Frauen, die:

  • eine übermäßige Hormontherapie vermeiden möchten;
  • negative Erfahrungen mit hormoneller Stimulation haben;
  • ein erhöhtes OHSS-Risiko haben;
  • am Eileiterverschluss leiden;
  • eine schlechte Reaktion auf Hormonstimulation zeigen;
  • ein negatives Ergebnis bei dem traditionellen IVF-Zyklus hatten.

In-vitro-Fertilisation im natürlichen Zyklus ist durch Kontraindikationen nicht gekennzeichnet. In den meisten Fällen lassen die Frauen das Protokoll sowohl physisch als auch emotional gut durchführen.

Was soll man tun, wenn eine IVF ohne Stimulation nicht hilft?

Die Wirksamkeit der In-vitro-Fertilisation im natürlichen Zyklus beträgt 20%. Viele Paare erreichen nicht das gewünschte Ergebnis, Eltern zu werden. Im Falle des natürlichen Zyklus kann das In-vitro-Protokoll bereits im nächsten Menstruationszyklus wiederholt werden. Es ist aber auch wichtig, den emotionalen und psychischen Zustand der Patientinnen zu berücksichtigen. Negative Erfahrungen können unterschiedlich wahrgenommen werden.

Eine detaillierte Analyse der fehlgeschlagenen IVF ist ein Muss. Durch die Analyse des gesamten Prozesses kann man die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Ergebnisses in einem zukünftigen Zyklus erhöhen. Neben der Berücksichtigung aller externen Faktoren ist es empfohlen, zusätzliche Untersuchungen durchzuführen und gegebenenfalls den nächsten Versuch nach der Korrektur des Zustands der inneren Organe und Systeme zu starten.

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